Eine Frage die ich häufig gestellt bekomme, deren Antwort keiner hören möchte.

Ich wurde schon oft gefragt “Wie kann ich meine Angst überwinden?”. Und fast immer löst meine Antwort darauf Enttäuschung bei meinem Gegenüber aus.

Wenn wir die Angst überwinden wollen, müssen wir uns ihr stellen. Das heißt du musst genau das tun, wovor du Angst hast. Du hast Angst deinem Kollegen die Meinung zu geigen? Sag ihm deine Meinung. Du hast Angst Vorträge zu halten? Halte Vorträge. Egal was es ist, was du überwinden möchtest: Tu es und du wirst es überwinden.

Die übliche Reaktion auf meine Antwort ist eine Explosion von zurechtgelegten und spontan eingefallenen Gründen die alle dagegen sprechen es zu tun. Es hagelt Ausreden ohne Ende auf mich nieder. Von plausiblen bis völlig an den Haaren herbeigezogenen Ausreden ist alles dabei. Und oft merke ich, dass mein Gegenüber auch selbst merkt, dass das alles nur Ausreden sind.

Ich kenne das. Ich bin da auch oft genug so. Ich verstehe das vollkommen. Ich möchte nicht hören dass ich das tun soll wovor ich doch solche Angst hab. Da muss es doch einen anderen Weg geben. Kann man da nicht im Vorfeld immun gegen die Angst werden und dann alles meistern was man möchte?

Sorry, aber nein! Wir müssen da geradewegs durch sonst lassen wir das nicht hinter uns. Die Sache ist nämlich die: Wir haben irgendwann gelernt, dass uns diese bestimmte Situation Angst macht. Ich beispielsweise bin ein nervliches Wrack wenn ich vor einer Gruppe Menschen etwas präsentieren muss. Sei es ein Vortrag über ein Thema oder eine Präsentation eines Konzepts oder was auch immer – mir geht der A auf Glatteis. Irgendwann in meinem Leben habe ich gelernt, dass solche Situationen eine Gefahr für mich darstellen. Die Gefahr mag verschieden aussehen aber irgendwann gab es eine oder mehrere Situationen die mich gelehrt haben: Wenn du vor Leuten stehst und etwas vortragen, vorstellen oder präsentieren musst dann renn weg! Renn so schnell du kannst denn diese Situation bedeutet Gefahr. Und ich hab mir das gemerkt.

Wenn ich also einen Vortrag halten muss bekomme ich Angst mit den klassischen Symptomen. Ich schwitze, ich bekomme kalte Hände, mein Blick verschwimmt zu einem Tunnelblick, mein Herz rast… sprich: mein Körper bereitet mich auf die Flucht vor. Das haben wir noch von früher: Wenn der Bär kommt laufen wir weg. Da werden alle unnötigen Prozesse im Körper runtergefahren, um alle Energie ins Rennen stecken zu können. Oder ins Kämpfen, aber ich bin da eher die, die flüchtet.

Also. Ich reagiere auf etwas in der Vergangenheit weil ich annehme, dass etwas schlimmes passieren wird. Und es wird mir immer und immer wieder so gehen, wenn ich nicht lerne, dass die Situation auch ganz anders ausgehen kann. Vielleicht bin ich sehr gut im Vortrag halten. Vielleicht kann ich die Methode sehr verständlich erklären. Vielleicht sind meine Ausführungen sehr unterhaltsam. Vielleicht verurteilt mich niemand weil ich mich versprochen habe. Vielleicht bekomme ich sogar Komplimente weil ich es so gut gemeistert habe. Vielleicht passiert ja all das gar nicht, wovor ich solche Angst habe. Aber das erfahren wir meistens nicht, weil wir es nicht probieren. Nein, das macht mir Angst! Das werde ich nicht tun, da muss es doch einen anderen Weg geben.

Leider, und das wollen wir alle nicht hören (einschließlich ich), aber leider müssen wir genau das tun!

Das heißt ich muss mich vor die Gruppe von Menschen stellen und diesen Vortrag halten, wenn ich keine Lust mehr habe drei Tage davor schon nervlich am Ende zu sein. Anders geht es nicht. Es gibt Methoden, die dabei helfen, sich zu beruhigen und klar zu machen, dass nichts schlimmes passieren kann. Aber wenn die Angst so tief sitzt, wie z.B. bei mir, dann führt da kein Weg daran vorbei.

Und ich weiß, das sind schlechte Neuigkeiten. Denn das ist schwer, das kostet Kraft, das macht keinen Spaß (manchen schon, aber das sind nicht die, von denen hier die Rede ist). Aber aus eigener Erfahrung kann ich aus vollster Überzeugung sagen: Es lohnt sich so sehr! So, so sehr!

Ich musste mich schon wirklich oft meinen Ängsten stellen. In den vier Jahren in denen ich studiert habe musste ich gefühlt hunderte Vorträge und Ähnliches überstehen, aber auch im privaten hatte ich das schon so oft. Das heftigste, das ich erlebt habe war die Traumatherapie. Es war schlimm und schwer und schmerzhaft. Aber es war auch so befreiend motivierend und bestärkend wie sonst nichts, das ich versucht hatte.

Ich weiß, es ist schwer. Vor allem das erste Mal. Aber je öfter man das durchzieht, umso einfacher wird es und man merkt, wie man sich dabei verändert.

Im nächsten Beitrag kann ich euch kurz von meiner letzten Begegnung mit meiner Vortragsangst erzählen. Die zeigt, was es bewirkt eben nicht mehr wegzulaufen, sondern sich der Angst zu stellen.

Wenn ihr Fragen habt oder mir von euerer Erfahrung oder auch euren typischen Ausreden (die wir alle haben, fühlt euch deswegen nicht klein!) erzählen wollt, hinterlasst mir einen Kommentar oder schreibt mir eine Mail (die niemand zu Gesicht bekommen wird, außer ich! Versprochen!)

Also, los geht’s! Seid mutig, es lohnt sich so sehr!

 

Mit Liebe,

Eure fanoona

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.