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Hallo Tagebuch #21

Es ist immer das Gleiche. Wird meine Stimmung, aus welchem Grund auch immer, schlechter, schleichen sich Gedanken an meine Vergangenheit ein. Ich muss dafür nicht extrem emotional werden.Es reicht schon aus wenn ich unzufrieden bin. Von da aus ist die Spirale nach unten sowieso schon schnell geschafft aber mit solchen Gedanken könnte ich auch geradewegs in den Stimmungsabgrund springen. Denn über kurz oder lang werde ich erfahrungsgemäß dort landen, wenn ich es nicht vorher schaffe mir bewusst zu machen was gerade passiert: Meine Gedanken sind nicht die Realität sondern lediglich die Überbleibsel meiner Vergangenheit. So schaffe ich es mittlerweile wenigstens nicht in dieses Loch zu fallen dass mir allzu bekannt ist. Aber dennoch bringen solche Gedanken immer eine gewisse Grundstimmung mit, die sich dann über meinen Tag legt.

Und ich weiß nicht was es ist. Ist es die verbliebene Trauer über die Verluste? Ist es die restliche Wut über Ungerechtigkeiten? Ist es das Flüchten in Gefühle die über Jahre hinweg meine Heimat waren? Ich ertappe mich dabei mir Momente der Zukunft auszumalen. Wie würden Begegnungen mit meinen Ängsten aussehen? Würde ich siegen? Ist die gedankliche Vorstellung davon sich der Vergangenheit im realen Leben zu stellen der Ersatz für das tatsächliche Erleben, so wie uns das Tagträumen in schöne Gegebenheiten vor der Tristese des Alltags zu retten vermag?

Ich mag diesen Zustand nicht denn ich weiß nicht wozu er gut ist. Wie gehe ich damit um? Es scheint als würden zwei Welten vermischt. Bin ich nun ok oder nicht? Ich kann mit diesem Zustand einfach nichts anfangen. Ich bin nicht gut genug drauf um das Hier und Jetzt zu genießen und das Leben zu spüren. Ich bin nicht emotional genug um mich dem Schmerz hinzugeben, die schweren Seite des Lebens zu spüren, und die Wut nutzen um neu aufzustehen. Dieser Zustand ist permanent dabei sich aufzulösen und bleibt dennoch. Etwas Flüchtiges, das viel zu lange in der Luft stehen bleibt. An Tagen wie diesen fühle ich mich etwas verloren. Als stünde ich vor unbeschrifteten Wegweisern die mich in verschiedene Richtungen führen wollen von denen keiner sein Ziel verrät.

Ich kann mit dieser Verwirrung nicht umgehen. Da ist mir sogar das pure Leid lieber. Damit kann ich umgehen. Das kann ich vollends ausleben. Das kann ich fühlen und durchleben. Und ich kann mich aus etwas befreien. Ich überlege immer wozu ein bestimmter Zustand gut sein mag. Wozu dieses halbherzige Leiden gut sein mag ist mir bisher unklar. Vielleicht sollte ich lernen daraus Kraft zu schöpfen dass ich mich direkt vor dem Abgrund emfpinde ohne der Gefahr des Sturzes Aufmerksamkeit zu schenken. Ich stehe da, das Leid unter mir nur ein Schritt entfernt und ich habe keine Angst, ich habe keine Sehnsucht. Ich verweile dort, da es der Punkt ist an dem ich mich in meinem Leben befinde. Hier stehe ich. Zwischen Leid und Leben. Beides nur ein Schritt entfernt. An manchen Tagen blicke ich dem Leid entgegen, an anderen dem Leben. Das erklärt auch wieso dieser Zustand so unangenehm ist. Ich bin stets eine Entscheidung einer Menge Verluste ausgesetzt. Natürlich auch vieler wundervoller Momente. Da jedoch das Negative meist siegt, vermag der Schritt in die eine Richtung den süßen Geschmack der anderen Richtung mit einer bitteren Note zu durchziehen.

So allmählich vermag ich den Zustand der mich in einen solch unangenehmen Zustand versetzt zu verstehen. Und wo wird mir bewusst, dass er neben dem fahlen Beigeschmack den er mit sich bringt auch noch etwas anderes mit sich bringt, etwas Essentielles: Da wo ich mich befinde, zwischen Leid und Leben, bin ich, trotz dass ein Schritt alles verändern kann, in vollkommener Sicherheit. Hier kann nichts passieren. Ich befinde mich an einem risikoarmen Punkt wie es ihn sonst nicht gibt. Im Leid droht mehr Leid, im Leben droht stets der Fall. Doch zwischen Leid und Leben befinden wir uns in vollkommener Sicherheit. Hier gibt es nichts zu verlieren, hier gilt es nur zu abzuwarten und irgendwann, dann wenn wir bereit sind, den nächsten Schritt zu wagen.

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