Schreiben hilft.

Wer kennt sie nicht, diese Ecken in die alles verschwinden, dass schnell mal weggeräumt werden muss. Und der Stapel wächst und wächst und gerät in Vergessenheit. Da wir bald umziehen habe ich angefangen solche Ecken aufzustöbern und auszumisten. Dabei ist mir eine Arbeit aus meinem Studium in die Hände gefallen. Neben all den Theorien und Methoden die wir lernten hatten wir auch ein paar kreative Module die für die meisten von uns eine willkommene Abwechslung waren. Ich weiß weder wie das Modul hieß, noch in welchem Semester es war. Auch die ursprücngliche Aufgabe mag mir nicht mehr einfallen. Es war auf jeden Fall ein Seminar bei unserem Dipl.-Designer Hans Endelmann (wer mehr über ihn als Künstler erfahren möchte klickt hier).

Schreiben hat mir schon im Jugendalter geholfen mich zu sortieren und meine Welt zu begreifen. Aufgrund vieler Umstände und Einlfussfaktoren viel es mir während meines Studiums eher schwer. Zum Glück konnte ich das in diesem Seminar doch öfter wieder aufgreifen. Heute schreibe ich wieder sehr viel, habe allerdings auch Phasen in denen ich es nicht zustanden bringe. Da das Schreiben für mich immer ein Teil eines Verarbeitungsprozesses ist, ist das auch normal und sogar gut. Ich kann nicht permanent Geschehenes verarbeiten, ich brauche gelegentlich auch mal eine Pause. Solange es irgenwann weiter geht ist das auch gerechtfertigt und nötig, um überhaupt weiter machen zu können.

Wenn ich schreibe, dann selten über Schönes. Aber das muss ich auch nicht “verarbeiten” in dem Sinne. Bei Herr Endelmann saßen wir alle um einen rießigen Tisch, sodass die gesamte Gruppe zueinander saß. Am Ende jeder Einheit wurden dann die Arbeiten reihum vorgestellt. Auch ich hab dann meine schweren und von Traurigkeit und Schmerz geprägten Texte und Bilder vorgelesen und hergezeigt. Nicht selten wurde ich danach von befreundeten Kommilitonen gefragt ob sie sich Sorgen machen müssten. Sehr lieb! Aber es gibt keinen Alass zur Sorgen nur weil ich meine Gedanken und Gefühle in Worte, Szenen und Figuren packe. Wenn mich etwas beschäftigt, dann ist das natürlich etwas negatives. Und wenn ich es auf irgendeine kreative Art und Weise zum Ausdruck bringe, dann möchte ich auch dass es bei mir einen Effekt hat. Ich möchte es los werden. Indem ich es in Worte fasse oder bildlich darstelle, kann ich mir dessen bewusst werden und es loswerden. Man kann sich das so vorstellen als würde ich es von innen nach außen verlagern. Würde ich das jetzt aber in schönere oder leichter Worte verpacken, dann hätte das nicht den Effekt den ich möchte. Denn es gibt nunmal Dinge die nicht leicht und auch nicht schön sind. Sondern schwer und schockierend, schmerzhaft und tragisch (für mich).
Also falls ihr euch den Text (unter diesem Beitrag zu finden) durchlest macht euch keine Gedanken. Mir geht es gut. Kunst überspitzt manchmal um sicher zu gehen, dass die Message übertragen wird.

Jedenfalls hab ich diesen Text von damals wieder gefunden. Großzügig auf DIN A4-Blätter gekritzelt. Ich wollte aber nicht dass er verloren geht. Also hab ich ihn in mein Journaling-Notizbuch geschrieben. Wen es interessiert ich verwende ein Notizbuch von Leuchtturm1917, A5 und dotted. Ich wollte meinen Texten einen Ort geben, dass sie nicht verloren gehen. Ich schreibe dort auch fiktive Kurzgeschichten oder besser Auszüge aus einer, wenn mir danach ist. Ich bin eine Tagträumerin und mag es mich in imaginativen Szenen zu verlieren. Das mag für manche abgedreht klingen, andere empfinden genauso wie ich. So oder so kann sowas sehr helfen. Mein Partner, Mr. R (thehehe), malt sich gerne die schönste Version seiner Zukunft aus, wenn er schlecht einschlafen kann. Ich glaube es gibt kaum eine bessere Art gut gelaunt einzuschlafen. Ich dagegen grüble viel wenn ich wach liege.. schlafe dann natürlich auch wesentlich schlechter. Also so viel zum bewussten Träumen.

Ich hab eine alte Arbeit aus dem Studium gefunden. Ziemlich schwerer Inhalt unbeschwert festgehalten. Manchmal ist es besser Unschönes schön zu verpacken um sich damit beschäftigen zu können. Und manchmal ist es besser auch das Schwere im Leben nicht all zu schwer zu nehmen um weiter machen zu können. Denn manchmal müssen Dinge überwunden werden um zu wachsen. Aber alles zu seiner Zeit. Und bis dahin sollte das Leben nicht all zu schwer sein. Sondern schön. Mit kleinen Makeln. Aber so, dass wir trotzdem noch schmunzeln können.

Liest man den Text könnte man denken es ist ein wenig unpassen ihn mit Blümchen, fröhlich und liebevoll zu dekorieren. Finde ich aber garnicht. Der Text mag schwer sein, aber ich habe ihn eher unbeschwert festgehalten. Es geht nicht darum worum er sich dreht, wenn ich ihn aufbewahre. Ich möchte ja schließlich die Belastung loswerden. Das ist Sinn und Zweck solcher Texte. Also wieso sollte ich die Emotionen weiterhin festhalten. Ich möchte es hinter mir lassen und unbeschwert weiter gehen. Wir alle müssen viel überwinden im Leben. Der eine mehr der andere weniger aber jeder von uns hat es hin und wieder nicht leicht. Für Menschen, die gerne grübeln und sich in negativen Gefühlen und Gedanken verlieren ist es wichtig, all das zu verarbeiten, jeder auf seine Weise. Wichtig ist, dass wir nicht permanent unsere komplette Vergangenheit mitschleifen. Wie sollten wir da noch unbeschwert und fröhlich sein!? Wir müssen loslassen. Und so gut es geht friedvoll mit unserer Vergangenheit umgehen, danbar sein für das Schöne, dass wir all zu öft übersehen. Wir sollten uns das Leben nicht unnötig schwer machen. Sondern schön. Das Leben hat Makel. Aber wir sollten dafür sorgen, dass wir trotdem noch schmunzeln können.

fanoona ♥

 

P.S.: Wer möchte findet hier unterhalb den oben genannten Text.


Noch war es dunkel.
Die Finger waren steif vor Kälte und Verzweiflung.
Noch waren die Straßen leer.
Die Morgendämmerung, die die Spuren der Nacht nicht verwischen konnte.
Die bittere Kälte unterstrich den stechenden Schmerz, den sie in sich trug.
Gedanken an vergangene Nacht trieben ihr Tränen in die Augen.
Trauer, Schmerz, Wut.
Ganz still war es.
Lautlos fiel der Schnee und bedeckte die Straße, so als wäre nichts geschehen.
Als wolle er das, was geschehen war, verleugnen.
Aber es war geschehen.
Und nun ging sie diese leere Straße entlang, gebeutelt vom emotionalen Sturm.
Erschöpft von all der Anspannung ihrem Sein gegenüber.
Luft füllte ihre Luge und mit jedem Atemzug verstärkte sich das Gefühl verloren zu haben.
Einsamkeit machte sich breit in dieser Landschaft der Wertlosigkeit.
Sie vermochte diesen Schmerz nicht mehr zu tragen.
Verzweiflung trieb die Trauer hin zur Wut.
Unterbrochen von Erinnerungen, schnell wechselnde Bilder erscheinen vor ihrem inneren Auge.
Die Gefühle überkommen sie, als würde sie alles erneut durchleben.
Sie erschrickt.
Ein vermummter älterer Herr kam ihr entgegen.
Ihre letzten Schritte hatte sie nicht mehr wahrgenommen.
Sie war wohl einige Häuserecken weiter als zuvor.
Dieses plötzliche Erscheinen eines anderen Menschen ließ sie innerlich erstarren.
Antriebslos setzte sie einen Fuß vor den Nächsten und hinterließ ihre Spuren im Schnee,
die sogleich von neuem Schnee bedeckt wurden.
So, als sei ihr Weg nichts wert.
Die Gefühle, die sie gerade eben noch übermannten, waren verstummt.
Zurück blieb nichts als Leere. Scheinbar.
Ihre Gefühle und Gedanken waren dumpf.
Da wo vorher Chaos herrschte, war jetzt unaufgeräumte Stille.
Die Emotionen waren nicht verschwunden, lediglich der Zugang zu ihnen versperrt.
Und während sie gedankenlos dahin schritt,
verkrampften sich diese unnahbaren Gefühle zu einer festen Fassade, die sich um ihr Herz legte.
So versiegte der Menschlichkeit.
Das Herz das einst vor Liebe sprudelte war zu grauem Fels erstarrt.
Wo vorher der Schmerz brennend pochte, war nur noch Kälte.
Lediglich die Mitte des kalten Herzens war ein winziger Lichtpunkt
Das kleine Mädchen in ihr.
Zerbrochen.
Das hofft vom Leid oder gar von Allem erlöst zu werden.

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